Walter Dahn

Walter Dahn


„An einem Morgen im Oktober sah ich von der Ratingerstraße aus in den Eiskellerberg 15 Einsatzwagen von der Polizei einbiegen. Beuys sagte: ‚keinerlei Gewalt’. Wir gehen hier ganz ruhig raus, so wie wir reingegangen sind. Der Beuys saß in der Ecke und las Platos ‚Der Staat’.“

Am 10. Oktober 1972 kündigte Johannes Rau, damals Minister von Wissenschaft und Forschung in Nordrhein-Westfalen, dem Kunstprofessor Joseph Beuys. Als der seinen Posten nicht einfach räumen wollte, schickte Rau eine Polizeieinheit an den Eiskellerberg zur Kunstakademie. Beuys hatte sich dort mit Studierenden verschanzt. Mit seinem Protest wollte er durchsetzen, dass Jede und Jeder bei ihm Kunst studieren konnte. „Und wenn sie mit Panzern kommen“, soll Beuys damals gesagt haben. Walter Dahn (geb. 08.10.1954 in St. Tönis) erinnert sich noch ganz genau an diese legendäre Räumungsaktion. Er war einer der Beuys-SchülerInnen, die über Nacht in der Akademie ausharrten. Dahn kam 1971 mit nur 17 Jahren als jüngster Student in die Beuys-Klasse. Acht Jahre später schloss er sein Studium als Meisterschüler ab. Die Jahre in Düsseldorf, in denen er nachts viel Zeit im Ratinger Hof verbrachte, das gerade von Carmen Knoebel übernommen und von Imi Knoebel neu gestaltet worden worden war, prägen ihn bis heute. Eine zweite wichtige Lehrerfigur für Dahn war der Künstler Sigmar Polke, in dessen Hof in Willich er – wie viele andere Künstler auch – in den 70er Jahren regelmäßig zu Gast war.

1979 verließ Dahn die Düsseldorfer Kunstakademie und gründete mit befreundeten Künstlern die „Mülheimer Freiheit“. Der Künstler teilte sich mit Jiri Georg Dokupil, Gerhard Naschberger, Gerhard Kever, Peter Bömmels, Hans Georg Adamski und anderen ein Atelier in der Straße „Mülheimer Freiheit“ im rechtsrheinischen Köln. Bis 1984 entstanden auch Gemeinschaftsgemälde mit seinem deutsch-tschechischen Freund Dokupil. Nach Auftritten in der Galerie Paul Maenz folgten schnell international beachtete Malerei-Ausstellungen der sogenannten „Neuen Wilden“, zu denen auch eine neue Generation von Malenden aus Berlin und Hamburg gehörten. 1982 wurde Dahn auf die documenta von Rudi Fuchs eingeladen. Es folgten Ausstellungen in New York und Basel. Walter Dahn hat seit 1996 eine Professur an der Kunsthochschule in Braunschweig inne. Er lebt in Köln. 

Aus dem Audioarchiv Kunst – Stimmen zu den Anfängen der zeitgenössischen Kunst im Rheinland
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Artikelbild: Albrecht Fuchs


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