Aus dem ZADIK "Yves Klein für 300 £ gekauft"

Aus dem ZADIK
„Yves Klein für 300 £ gekauft“


Aus dem Zentralarchiv des internationalen Kunsthandels: Günter Herzog über das Archiv von Kasper König, das sich nun im ZADIK befindet

Wie könnte man das kunstereignisreiche Leben von Kasper König hier zusammenfassen? Gar nicht – aber um das sprichwörtliche „Königsformat“ bereits in seiner Anlage zu erkennen, reicht es schon, kurz ins Frühjahr 1964 zurückzublinzeln: König war einundzwanzig Jahre alt, hatte ein Volontariat in der Galerie von Rudolf Zwirner hinter sich, war nach London gegangen, um am Courtauld Institute zu studieren und in der Robert Fraser Gallery zu jobben. Nebenbei hat er Kunst gekauft, Künstler gemanagt, und als Auslandskorrespondent für alle möglichen Leute gearbeitet. Am 9. April 1964 stempelte das Londoner Home Office das „Certificate of Registration“ für Rudolf – so sein amtlicher Vorname – König. Bald darauf besuchte ihn der frisch gebackene Münchener Galerist und spätere Mitbegründer der Dia Art Foundation Heiner Friedrich und bat ihn um Empfehlungen junger englischer Künstler, aber König empfahl ihm Gerhard Richter. „Herr Friedrich war inzwischen da“, schreibt Richter an Herrn König auf einer Postkarte vom 23. Mai 1964, und das Ergebnis war Richters erste Ausstellung bei Heiner Friedrich, die am 10. Juni 1964 eröffnet wurde. Dieser Termin und Friedrichs Adresse sind in Königs Terminkalender notiert, aber wir zeigen stattdessen lieber die interessantere Doppelseite vom 26. bis zum 29. April, auf der König notierte, dass er für 300 £ einen Yves Klein gekauft und 50 £ verdient hat.

Dass schon damals die Kunst Kasper Königs natürlicher Lebensraum war, wird vollends deutlich in einem Brief, den er am 8. Mai 1964 zusammen mit einem Exemplar des Katalogs der Ausstellung „1954-1964. Painting and Sculpture of a decade“ der Calouste Gulbenkian Foundation in der Londoner Tate Gallery an Albert Schulze Vellinghausen schickte, den damaligen Grandseigneur der deutschen Kunstkritik, der seit 1953 für die FAZ schrieb. „Ich habe zum erstenmal die Amerikaner, Jasper Johns, Lichtenstein, Jim Dine, Oldenburg in einer großen Ausstellung gesehen. Das ist die Stärke der Schau. Jasper Johns hat mich sehr beunruhigt -. Der Amerikaner, der die schon entworfene und entwickelte Fahne seines Landes malte, war mir sehr verständlich. Auch der Mann Lichtenstein, der Comic Strips in Übergröße an die Leinwand projiziert. – Jetzt habe ich diese Bilder unter vielen anderen Bildern der gleichen Entstehungsjahre gesehen, und speziell diese Bilder der beiden Amerikaner haben mich physisch aufgeregt. – Wir leben im Jahre neunzehnhundertundvierundsechzig.“

Seit März diesen Jahres hat das ZADIK-Team im Büro von Kasper König – nicht selten während dieser am Schreibtisch saß – still und behutsam jene insgesamt rund vierzig Regalmeter an Postkarten und Briefen von Künstlerpersönlichkeiten der internationalen Kunstgeschichte seit den 1960er Jahren, Projektskizzen von Künstlerinnen und Künstlern, Königs schriftlich fixierte eigene Überlegungen, seine Materialsammlungen, Dokumentationen, Kalender, Adressbücher, Fotos und alle möglichen anderen Dinge aus seinen Regalen gezogen und gekennzeichnet, um sie im August abzuholen, bevor die Gesellschaft für moderne Kunst am Museum Ludwig und die Kunst- und Museumsbibliothek zum Aussuchen kommen sollten.In Kürze wird in der von der Kunststiftung NRW herausgegebenen Reihe „Energien / Synergien“ als dreizehnter Band Walter Grasskamps Buch „Kasper König“ erscheinen. Grasskamps Arbeit an dieser Biographie, für die ihm Kasper König Einblick in sein Privatarchiv gewährt hat, und Grasskamps Empfehlung einer professionellen Archivierung verdankt das Zentralarchiv des internationalen Kunsthandels (ZADIK) in Köln das schönste Geschenk zu seinem zwanzigjährigen Bestehen.

In den Beständen des ZADIK war König allerdings schon lange vorher präsent. So waren etwa mit dem Nachlass des Kunstkritikers Heiner Stachelhaus Kopien der auswärtigen Gutachten zur Besetzung des Direktorenpostens des Museums Ludwig ins ZADIK gekommen, um die Marie Hüllenkremer als damalige Kulturdezernentin renommierte Persönlichkeiten der internationalen Kunstszene gebeten hatte. Kein Wunder, dass König vor zwölf Jahren berufen wurde, denn alle Gutachten sind ausgesprochen positiv. Sie zeichnen seinen beeindruckenden Werdegang nach, nennen und rühmen seine entscheidenden Karrierestationen, darunter seine Lehre am Nova Scotia College of Art and Design im kanadischen Halifax, 1972-1976, seine „Skulptur.Projekte“ in Münster seit 1977, die Ausstellungen „Westkunst“ in Köln 1981 und „von hier aus“ in Düsseldorf 1984, seine Berufungen auf den neu gegründeten Lehrstuhl „Kunst und Öffentlichkeit“ an der Kunstakademie Düsseldorf 1985 und 1988 an die Frankfurter Städelschule, deren Rektor er 1989 wurde. Nicholas Serota lobt ihn als Diplomaten und erfolgreichen Politiker, dessen Stärke in der Anerkennung läge, die ihm durch Künstler und Kuratoren zuteil würde, andere preisen seine ebenso engmaschigen wie weitreichenden internationalen Vernetzungen, und nur selten gibt jemand kleinlaut zu bedenken, er sei ja eigentlich kein Museumsmann oder Kunsthistoriker. Das brauchte König, wie man spätestens heute am Ende seiner erfolgreichen Ära am Museum Ludwig weiß, auch nicht zu sein. Seine Lebensleistung – 2009 durch den erstmals vergebenen Lifetime Achievement Award der Guggenheim Foundation gewürdigt – und sein Archiv dokumentieren vorzüglich, dass er von Anfang an mehr auf der gestaltenden als auf der beobachtenden, kommentierenden und reproduzierenden Seite der Kunstgeschichte stand. Nicht wenige Künstler, Kuratoren, Museumsleute und Kunsthistoriker haben ihm ihre Karrieren in entscheidenden Stationen zu verdanken, viele Karrieren, wie sich etwa an seinen Sammlungen zu Gerhard Richter oder Dan Graham (alleine 135 Autographen!) nachvollziehen lässt, hat er über mehr als vier Jahrzehnte hinweg begleitet.

 

Mit Mitteln der Kunststiftung NRW wird das ZADIK nun Kasper Königs Archiv erschließen und weitgehend digitalisieren. Diese Arbeiten bilden die Basis für die kunsthistorische Auswertung des Archivs durch junge Forscherinnen und Forscher der Universität Köln unter der Leitung von Ursula Frohne und sicherlich viele weitere Recherchen. Einen ersten Einblick in das Archiv werden eine Ausstellung auf der ART COLOGNE 2014 und ein Doppelheft der ZADIK-Zeitschrift „sediment“ bieten.



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