Besprechung Michał Budny im Kunstverein Düsseldorf

Besprechung
Michał Budny im Kunstverein Düsseldorf


Michał Budny im Kunstverein für die Rheinlande und Westfalen, Düsseldorf, bis 1. Mai


Es gibt Architektur, Handys, Warteschlangen, Licht, Kunst, Realitäten, Regen, Autos, Arbeit, Netzwerke, Räume, Referenzen, Einbrüche, Interventionen, Tetris, Pläne, Projektionen, Grabsteine, Bücher, MDF, Objekte, Skulpturen, Fußböden, Fragmente, CD-Player, Tische, Modelle, Originale, Material, Pappe, Papier, Gips, Karton, Karten, Zonen, Folien, Effektivität, Kleinanzeigen und Exemplarismus.

Wenn man Michał Budnys Arbeit kennt und über ihn spricht, kommt man schnell auf Begriffe, wie Modell und Referenz, Abbildung, Moderne und Postmoderne. Mit diesen kann man ordnen und formen und sie benutzen und es passt alles sehr schnell und ganz gut, effektiv und klar in sehr schöne Zusammenhänge, von ganz leicht bis für fortgeschrittene Referenzialisten. Das ist so bei seinen Arbeiten aus Karton, mal Handyschale, abstrahiert genug, um auf ihr Entworfensein hinzuweisen, häufig genug, um als reproduzierbar wahrgenommen zu werden, technisch sauber genug um technisch zu wirken und ihr Kartonmaterial, à la Freitag Taschen, gefunden und unterschiedlich genug um das Bedürfnis nach Individualität als technisch reproduzierbar vorzustellen. Bei Budnys Architekturen ist das ähnlich, ein sehr schönes Referenzgewitter, abstrakt genug, formal genug, stimmungsvoll, mal groß, dann klein, Modell und Wirklichkeit, richtige Wirklichkeit und ordentlich Kontextmachen (Titel von Arbeiten: Cactuses, Rain, Grave Stone, Ruins, Roost of the Homeless, Gallery, empty room), die modellhafte Abbildung als Reflexionstool deluxe, als superuniverselle docking station, die dann durch die Ausstellungen braust und dann auch mal Abstecher in deutschen Kunstvereinen macht.

Das schöne an einem Kunstvereinsraum ist, man stellt, hängt, legt dort etwas herein und es wird sich anschließend genau angeschaut, an einem vereinbarten Ort, in einem Raum zum Schauen, Erfahren und zum Reflektieren. Oder man folgt Diedrich Diederichsen und weiß, dass jede öffentliche Auseinandersetzung total im Arsch ist, wir alle neutralistisch, lernunfähig und selbstlegitimierungssüchtig, da hinrennen, um uns daneben zu stellen und dazu zu gehören und wieder ein Stück saubere Legitimierungsarbeit geleistet zu haben.

Dafür erscheint Budnys Ausstellung „between“ schon recht spröde, ohne dass klar wird, worauf sich das Spröde stützt. Er fügt dem Kunstvereinsraum minimale Veränderungen hinzu, die sehr nah am Material und der Logik des Raumes bleiben. Seine Eingriffe sind zu unexemplarisch, um als Fortführung oder Erneuerung konzeptueller Raumüberlegungen, wie beispielsweise bei Michael Asher, gelesen zu werden. Sie sind nicht wirklich minimal, keine klare und durch ihre Einfachheit überzeugende Formensprache, viel mehr ist es das Kleine und Unvehemente, das wir da im Kunstverein aushalten müssen. Budnys Setzungen können sich deswegen in einem Dazwischen von Raum und Objekt bewegen, weil der Raum genau nicht zu etwas metaphysischem wird, sondern voll gemacht ist mit sich selbst, zum Objekt wird, durch sich selbst pointiert, im Sinne seines Entworfenseins, seiner Architektur und ihrer Realisierung, der hierfür verwendeteten Materialität, den Sicherheiten und Unsicherheiten im Entwurf und seiner endlichen Umsetzung. „Between“ ist eine Umkehrung der repressiven Skulptur. Martin Creed lässt eine Frau sich auskotzen in einem Ausstellungsraum, ein intensives Ereignis zum ästhetischen Phänomen exemplifiziert, skulptural, performativ; und repressiv gegenüber dem Raum, weil dieser vollkommen verschwindet, seine Eigenheiten für einen Moment vollkommen übertüncht werden, eine Aufführung, die für ihre Zuspitzung keine Lichttricks braucht.

Der Raum ist einfach mal kurz verschwunden, kein Blick zur Tür, zum Fenster, zur Decke, kein Fühlen des Bodens, der eigenen Schritte, ihrer Geräusche, die Frage danach, wie die Wände gemacht sind, unsauber, so glatt, so rauh, gestrichen, da stand mal was auf dem Boden, die Wand ist später gemacht, das Fenster auch.

In seinen Kartonobjekten spricht Budny über profane Dinge, darüber wie er sie wahrnimmt. Auch darüber, wie er sich ihre Realisierung herleitet, im Raum tut er das Gleiche, nur verschiebt sich sein eigener Standpunkt, er organisiert ihn sich, wie einen Garten, der natürlich sein soll, aber auch gestaltet, seine Natürlichkeit als solche zugespitzt, der Beton ist glatt und eben, die Folie, die Budny drauflegt, betont genau dies, es gibt eine Markierung auf dem Boden, die Budny zusätzlich markiert, eine Schnur, die durch den Raum gespannt, genau so breit ist, wie der Raum selbst, ohne jede Technik, ohne Messung, nur durch ihr tatsächliches Installiertsein. Als Exzessverweigerer fragt Budny leise: „Hab ich laut gereihert?“ Und wir antworten: „Ziemlich, aber es ging noch.“ (aus Tom Veitch: Die Mondschaukel)

Mia Leisse

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