Doch was geworden!

Doch was geworden!


Das Zentralarchiv des internationalen Kunsthandels über seine Bestände: Günter Herzog über Alexander Calders erste Ausstellung in Deutschland – vor 61 Jahren

Alexander Calder, dem die Kunstsammlung Nordrhein-Westfalen K20 ab dem 7 September eine große Herbstausstellung widmet, erlebte seine Erstausstellung in Deutschland im Jahr 1952, und das nicht in einem Museum, sondern, wie für viele internationale Künstler üblich, in einer Galerie, die schon einigen der hier im Blog vorgestellten Künstler ein Forum geboten hat. Es war die Wuppertaler Galerie Parnass, die der Architekt Rolf Jährling parallel zu seinem Architekturbüro betrieb.

Über den amerikanischen Konsul in Berlin hatte Jährling Calder in Roxbury (Connecticut) kontaktiert und ihm in einem Brief geschrieben, dass er ihn gerne in Deutschland ausstellen würde. Calder freute sich und bat Jährling, sich an seinen französischen Galeristen Adrien Maeght in Paris zu wenden und mit ihm und den bei ihm gelagerten Mobiles eine Ausstellung zu konzipieren. In einem Interview, das Jährling der Wuppertaler Sammlerin Stella Baum im Jahr 1989 für die Zeitschrift ‚Kunstforum International‘ gab, erzählte er ihr, wie die Ausstellung zustande kam:

„So machte ich 1951 meine erste Auslandsreise nach dem Krieg nach Paris. Die bedeutenden deutschen Kunsthändler waren vor dem Krieg verschwunden, fast alle waren jüdisch, hochbegabt. Ohne sie ist die Szene hier recht öde. In Frankreich war das ganz anders, der Kunsthandel hat sich nach dem Krieg schnell wieder erholt. Der Händler Maeght, Calders Galerist, war einer der ganz Großen. Einen Braque für eine Million verkaufte er nebenbei beim Mittagessen. Diesem Tycoon saß ich nun gegenüber, und er fragte: ‚Was wollen Sie denn für die Schau hinterlegen?‘ Ich erklärte, dass ich überhaupt kein Geld hätte. ‚Dann wird das wohl nichts werden‘, war seine Antwort. Calder machte einen Riesenkrach, als er davon hörte, und sorgte dafür, dass ich 16 Mobiles aus Paris bekam. Gleichzeitig gab er mir genaue Anweisungen, wie ich seine Stücke restaurieren solle und mit welcher Farbe nachpinseln. Heute würde man dafür den allerbesten Restaurator einfliegen lassen. Es verging fast ein Jahr, bis mein Traum in Erfüllung ging und Calders Mobiles bei mir in Wuppertal ankamen. Rund um meine Wohnung hängte ich sie auf die Balkons, wo sie im Wind wehten. Jeder sagte: Du bist wahnsinnig! Die teuren Dinger! Wenn die runterfallen! – In Deutschland hatten Calders schöne Arbeiten einen großen Erfolg. Ich habe sie an acht Stationen weitergegeben. Verkauft allerdings habe ich mit Ach und Krach nur drei. Leider keines ans Wuppertaler Museum. Überhaupt habe ich während der fünfzehn Jahre, die ich ausstellte, keine einzige Arbeit an das hiesige Museum verkaufen können. Zehn oder fünfzehn Jahre später haben sie für meine Künstler hohe Preise zahlen müssen.“

Damit hatte Jährling allerdings recht. Bis 1980 hatten sich die Preise für Calder-Arbeiten in manchen Fällen bereits verhundertfacht. Eine Preisliste der Galerie Brusberg in Hannover, die Jährling in seiner Calder-Mappe verwahrt hat, kann dieses belegen. Bei Brusberg konnte man 1980 für unter 3.000 DM nur eine Farblithographie bekommen, das ‚billigste‘ Wandmobile kostete 95.000 DM. Aber ‚billig‘ waren die Calders auch 1952 bei Jährling nicht -zum Vergleich: Ein fabrikneuer VW-Käfer kostete damals 4.400 DM und der Liter Benzin zwischen 50 und 60 Pfennig ….

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Das Zentralarchiv des internationalen Kunsthandels (ZADIK)

Das ZADIK hat ein einzigartiges Sammlungsprofil, das sich grundlegend von den traditionellen kunsthistorischen Archiven und Bibliotheken unterscheidet. Neben der besonders wichtigen Geschäfts- und Künstlerkorrespondenz sammelt das ZADIK auch sämtliche Materialien, die Aufschluss geben über den Galeriebetrieb, seine Ausstellungs- und Öffentlichkeitsarbeit und die besondere Qualität und Rolle der engen Beziehung zwischen Künstler, Galeristen und Sammlern. Gerade für die Kunstentwicklung nach 1945 besitzt das ZADIK Quellen, die – besonders auch in dieser Konzentration – in keiner anderen Institution vorhanden sind, darunter sehr viele Briefe von Künstlern, zum Teil mit Zeichnungen, Projektskizzen, Skizzen für den Ausstellungsaufbau oder für Installationen in der Galerie und anderen wichtigen Informationen versehen, Fotos und andere Dokumente, aus denen sich Aktionen und andere ephemere Kunstwerke rekonstruieren lassen, die sich überwiegend in den Galerien selbst und nicht in den öffentlichen Kunstinstitutionen abgespielt haben.

Zu den Galeriearchiven kommen die Vor- und Nachlässe von privaten Händler-Verbänden und Kunst-Institutionen, von Kuratoren, Kunsthistorikern und Kunstkritiker(inne)n, Sammlern und Fotograf(inn)en, ein umfangreiches Archiv an Zeitungsausschnitten und Internetausdrucken, eine Plakatsammlung mit etwa 3000 Plakaten, ein Fotoarchiv mit inzwischen weit über 300.000 Fotos und eine Spezialbibliothek zur Geschichte des Kunsthandels. Zur Zeit umfasst die Sammlung die Archive von 93 Galerien, 10 Verbänden (wie Messen und privaten Ausstellungs-Institutionen), 7 Sammlern, 19 Kritiker(inne)n / Kunsthistoriker(inne)n und 11 Fotograf(inn)en. Da sich in diesen Jahren im Galeriegeschäft ein Generationswechsel ereignet und sich viele Galeristen der Nachkriegszeit zur Ruhe setzen, wächst das ZADIK zur Zeit schnell. Neben Ausstellungen und einem Stand auf der Art Cologne betreibt das Archiv auch eigene Forschungsarbeit, die es in Publikationen, Artikeln in der Frankfurter Allgemeinen Zeitung und der halbjährlich herausgegebenen Zeitschrift ’sediment‘ veröffentlicht. Bei Artblog Cologne stellt das ZADIK nun in regelmäßigen Abständen die Highlights seiner Sammlung vor.

Kontakt:

Zentralarchiv des internationalen Kunsthandels e.V.
in Kooperation mit der
SK Stiftung Kultur der Sparkasse KölnBonn
gegründet und gefördert vom
Bundesverband Deutscher Galerien und Kunsthändler BVDG

Im Mediapark 7
50670 Köln
Tel 0221 – 201 98 71
info@zadik.info
http://www.zadik.info/
Mo-Fr 10-16 Uhr u.n.V., Eintritt frei

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