Kölns kürzeste Ausstellung

Kölns kürzeste Ausstellung

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trug den Titel “bis das Ei hartgekocht ist” und ereignete sich am 12.9.1963  in der Galerie Zwirner im Kolumbakirchhof 2. (Von Günter Herzog)

Daniel Spoerri, der Künstler der diese Ausstellung bestückte, erklärte sie in seiner sehr seltenen Einladung (so selten, dass selbst das ZADIK sie nicht hat) folgendermaßen: „Ja, also, als ich vor etwa zehn Tagen nach Köln in meiner kleinen Fourgonette mit schlechten Bremsen fuhr, um die Fallenbilder bei der ehemaligen Galerie Dumont abzuholen, die mir dieselbe bei ihrer Liquidation via das Rechtsanwaltsbüro Dr. Rudolf Boden – Dr. Walter Klonz – Dr. Walter Oppenhoff – Ellen Andrea – Klaus Mathy – Dr. Dieter Schneider – Peter Sambuc, wieder zurückschenkte, nachdem sie sie vor etwa zwei Jahren schon gekauft hatte, aber meinen Freund André Thomkins in Essen besuchte, weil ich ihn schon lange nicht mehr gesehen hatte, kam ich fünf Minuten zu spät in das Pressehaus, denn es war ein Freitagabend und Samstag und Sonntag ist Feiertag, weshalb ich sie also nicht mehr mitnehmen konnte, vor allem, da sie in einer Riesenkiste schön verpackt sind, die gar nicht Platz gehabt hätte. Deshalb lade ich Sie ein die zehn Bilder am 12. September 1963 bei der Galerie Zwirner, Kolumba Kirchhof, Köln Tel. 237200 um 20 Uhr präzise anzuschauen, weil ich dann auch dort bin, wo wir die Kiste auspacken müssen, um die Bilder sieben Minuten lang auszustellen, bis das Ei hart gekocht ist und ich nachher den Rest wieder nach Paris mitnehmen kann. Daniel Spoerri“.

Entweder gibt hier Rudolf Zwirner am 12.9.1963 gegen 20.00 Uhr ein Ei in einen Wasserkocher und eröffnet damit Kölns kürzeste Ausstellung - oder er holt das längst erkaltete Ei wieder heraus. Foto: ©Jaschinski und Dreger; ZADIK, A 2, X, 123

Entweder gibt hier Rudolf Zwirner am 12.9.1963 gegen 20.00 Uhr ein Ei in einen Wasserkocher und eröffnet damit Kölns kürzeste Ausstellung – oder er holt das längst erkaltete Ei wieder heraus. Foto: ©Jaschinski und Dreger; ZADIK, A 2, X, 123

Rudolf Zwirner hat sich in einem Gespräch mit der Wuppertaler Kunstsammlerin Stella Baum für einen Beitrag in der Zeitschrift ‚Kunstforum International‘ an diese Ausstellung erinnert und dabei die Ausstellung noch um drei Minuten verkürzt: „Sie dauerte genauso lange, wie ein Frühstücksei kocht, also vier Minuten. Das Publikum stand gespannt in der leeren Galerie und blickte auf leere Wände. Da ging die Tür auf, und hereingetragen wurden die Bilder, die Spediteure hängten sie auf. Nun gab Spoerri das Ei ins kochende Wasser und stellte die Uhr. Nach vier Minuten war das Ei gar, und die Spediteure holten die Kunst wieder ab und verstauten sie im Wagen. In den vier Minuten haben wir sechs Bilder verkauft! Ein Sammler, der nicht so fix alles übersehen konnte, lief raus und ließ sich ein Bild noch mal hervorholen. Um die Leute nach vier Minuten nicht gehen zu lassen, gab es ein Essen, zu dem Spoerri alles besorgt hatte, was es normalerweise hier nicht gibt: Fliegen, Würmer, Schlangen und anderes Ungeziefer in kleinen Dosen aus China, eingelegt in Öl. Alles zusammen verbriet er in Omeletten. Anschließend nahmen wir einen Underberg.“

Literatur: Rudolf Zwirner in Stella Baum: Die frühen Jahre. Gespräche mit Galeristen. Kunstforum International Bd. 104, November/Dezember 1989, S. 240.

Artikelbild: Daniel Spoerri, Hahns Abendmahl, 1964, diverse Gegenstände, montiert auf Holztafel, 200 x 200 x 38 cm, Sammlung mumok, Wien / ehemals Sammlung Hahn, Köln, Foto: mumok


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Das Zentralarchiv des internationalen Kunsthandels (ZADIK)

Das ZADIK hat ein einzigartiges Sammlungsprofil, das sich grundlegend von den traditionellen kunsthistorischen Archiven und Bibliotheken unterscheidet. Neben der besonders wichtigen Geschäfts- und Künstlerkorrespondenz sammelt das ZADIK auch sämtliche Materialien, die Aufschluss geben über den Galeriebetrieb, seine Ausstellungs- und Öffentlichkeitsarbeit und die besondere Qualität und Rolle der engen Beziehung zwischen Künstler, Galeristen und Sammlern. Gerade für die Kunstentwicklung nach 1945 besitzt das ZADIK Quellen, die – besonders auch in dieser Konzentration – in keiner anderen Institution vorhanden sind, darunter sehr viele Briefe von Künstlern, zum Teil mit Zeichnungen, Projektskizzen, Skizzen für den Ausstellungsaufbau oder für Installationen in der Galerie und anderen wichtigen Informationen versehen, Fotos und andere Dokumente, aus denen sich Aktionen und andere ephemere Kunstwerke rekonstruieren lassen, die sich überwiegend in den Galerien selbst und nicht in den öffentlichen Kunstinstitutionen abgespielt haben.

Zu den Galeriearchiven kommen die Vor- und Nachlässe von privaten Händler-Verbänden und Kunst-Institutionen, von Kuratoren, Kunsthistorikern und Kunstkritiker(inne)n, Sammlern und Fotograf(inn)en, ein umfangreiches Archiv an Zeitungsausschnitten und Internetausdrucken, eine Plakatsammlung mit etwa 3000 Plakaten, ein Fotoarchiv mit inzwischen weit über 300.000 Fotos und eine Spezialbibliothek zur Geschichte des Kunsthandels. Zur Zeit umfasst die Sammlung die Archive von 93 Galerien, 10 Verbänden (wie Messen und privaten Ausstellungs-Institutionen), 7 Sammlern, 19 Kritiker(inne)n / Kunsthistoriker(inne)n und 11 Fotograf(inn)en. Da sich in diesen Jahren im Galeriegeschäft ein Generationswechsel ereignet und sich viele Galeristen der Nachkriegszeit zur Ruhe setzen, wächst das ZADIK zur Zeit schnell. Neben Ausstellungen und einem Stand auf der Art Cologne betreibt das Archiv auch eigene Forschungsarbeit, die es in Publikationen, Artikeln in der Frankfurter Allgemeinen Zeitung und der halbjährlich herausgegebenen Zeitschrift ‘sediment’ veröffentlicht. Bei Artblog Cologne stellt das ZADIK nun in regelmäßigen Abständen die Highlights seiner Sammlung vor.

Kontakt:

Zentralarchiv des internationalen Kunsthandels e.V.
in Kooperation mit der
SK Stiftung Kultur der Sparkasse KölnBonn
gegründet und gefördert vom
Bundesverband Deutscher Galerien und Kunsthändler BVDG

Im Mediapark 7
50670 Köln
Tel 0221 – 201 98 71
info@zadik.info
http://www.zadik.info/
Mo-Fr 10-16 Uhr u.n.V., Eintritt frei

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